Niedermendig
Aktualisiert: 25. Jan. 2023

Der Winter hat alle am 27.2.20 überrascht. Am frühen Nachmittag begann ein Schneeregen, der mich kapitulieren ließ und so fuhr ich früher nach Hause als geplant. Schnell bemerkte ich, dass das ein guter Entschluss war, denn die Straßenverhältnisse wurden unkalkulierbar. Kurz vor dem meteorologischen Frühlingsbeginn wollte der Winter wohl zeigen, dass es ihn noch gibt, denn bisher war von ihm, nichts zu sehen gewesen. In den Vulkanbergen konnte man die weißen Ebenen schon gestern sehen, aber am Morgen des 28.2.20 war es überall weiß.
Die Bilder entstanden um die Mittagszeit, da hatte die Sonne schonwieder gute Arbeit geleistet. Unten der Blick auf die Pfarrkirche St. Cyriakus, sie ist dem heiligen Cyriakus von Rom geweiht, der als einer der 14 Nothelfer und als Patron gegen Versuchung und Besessenheit bekannt ist, sowie auch als Patron der Schwerstarbeiter, weshalb er von den Bergleuten und Steinhauern in Mendig besonders verehrt wurde.
(https://www.stadt-mendig.de/kirchen-in-mendig/kath-kirche-niedermendig.html)

Besonders hervorzuheben ist hier der Kaiserbahnhof Mendig, der 1877 vollständig aus Basaltlava mit vielen besonderen Details der Steinmetz- und Bildhauerarbeit erbaut wurde und als eines der schönsten historischen Gebäude der gesamten Region gilt. Den Namen „Kaiserbahnhof“ erhielt der Bau, weil Kaiser Wilhelm II. ihn als Ausgangspunkt für seine Besuche von Eifelmanövern benutzt haben soll. Nachgewiesen ist, dass er von dort aus mit einer Kutsche das Kloster Maria Laach besuchte. Heutzutage befinden sich in dem schön restaurierten Gebäude des Kaiserbahnhofs Wohnungen und Geschäftsräume, der Bahnhof selbst ist ein Haltepunkt der Pellenz-Eifel-Bahn. (https://www.stadt-mendig.de/historie-von-mendig/ortsteil-niedermendig.htm)
Für mich war hier der Start in mein niedermendiger Stromablesen und natürlich war ich auf den ersten Blick beeindruckt. Mein zweiter Blick suchte den richtigen Eingang. Wie erwartet lief ich umsonst die Treppe hoch, ging umsonst um die Ecke, klingelte ich umsonst an der einzigen Klingel. Vorm Haus arbeiteten Bauarbeiter, mit lautem Getöse, an einer neuen Straße und so wollte ich die Hoffnung auf diese Stromzähler schon aufgeben, als sich in der vorletzten Fensterreihe eines öffnete. Mit aller Kraft versuchte ich den Lärm zu übertönen, um dem Fensteröffner mein Anliegen kundzutun. Er zeigte nur zur rechten Seite und bedeutete mir, dass er runterkommen würde. So durfte ich wenigstens einen kurzen Blick ins Innere tun, leider nur in einen großen Flur... wie das eben so ist in Bahnhöfen.

Die Montessorischule in der Bahnstraße war ein ebenfalls imposantes Gebäude und meine erste Schule dieser Art die ich "kennenlernen" durfte. In Gedanken fragte ich mich mehr, was wohl früher in dem Haus war, weil so viel Kunsthandwerk ringsherum zu sehen war, als was wohl die Kinder hier anders lernen. Im Internet fand ich anschließend, dass dieses Haus wohl früher zu einem Steinmetzbetrieb gehörte, was all die schönen Details gut erklärte und dass die Begründerin der der neuen Pädagogik, Maria Montessori, an den Eigenwert des Kindes glaubte und daher auch traditionelle Standards ablehnte. Kinder sollten stattdessen frei lernen, ohne Behinderung und Kritik. Montessori glaubte, dass sowohl Belohnungen als auch Strafen schädlich sind für die innere Einstellung des Menschen. Kinder sind ganz natürlich aus ihrer eigenen Motivation heraus lernwillig. Vor allem deshalb, weil es in ihrer Natur liege, am erwachsenen Leben teilhaben zu wollen.
Ich denke, wenn für meine Kinder eine solche Schule zur Auswahl gestanden hätte, hätte ich ganz sicher darüber nachgedacht, sie zu wählen.

https://www.jhz-bernardshof.de

Schon oft bin ich in Mayen an der imposanten Anlage des Bernhardshof vorbeigefahren, jetzt durfte ich in ein Außengebäude dieser Organisation und ich fand deren Zielsetzung weiterführend zur Montessorischule. "Zielsetzung unserer pädagogischen und therapeutischen Arbeit sowie der schulischen und beruflichen Bildungsangebote ist es, Bedingungen zu schaffen, die es jedem einzelnen Kind und Jugendlichen ermöglichen, Neigungen zu erkennen, individuelle Fähigkeiten zu entfalten und seine Gesamtpersönlichkeit zu entwickeln, um die späteren Anforderungen in Alltag und Beruf eigenverantwortlich zu meistern."

Am Veilchendienstag war in Mendig Karnevalsumzug hier und da waren noch Reste zu sehen, die nicht nach zerbrochenen Fläschchen und zertretenen Kamellen aussahen.
Die Karnevalszeit liegt bekanntlich zwischen Weihnachten und Ostern, wenn man sich für keines der Feste entscheiden kann, begeht man einfach alle zusammen. Das sieht dann aus, wie auf dem nächsten Bild.

Ich freue mich immer, wenn ich einzigartige Geschäfte entdecke. Der unten zu sehende Laden und die damit ausgeschmückte Pension, waren mal wieder so eine Besonderheit.

Die tiefen Keller in Mendig konnte ich leider nicht fotografieren, aber ich muss davon erzählen. Vom Felsenkeller hat wohl jeder gehört, der in Mendig war und im Lava-Dom muss man einfach gewesen sein, aber mir war nicht bewusst, dass die Wohnhäuser ja auch auf Basaltstein stehen. In meiner alten Heimat habe ich gern gesagt: " Wir haben auf Sand gebaut." In Kindertagen überboten wir uns oft damit, wer das meiste Wasser im Keller hatte, weil der Grundwasserspiegel so schwankte. Jetzt war ich in einer Gegend, wo die Keller tiefer sind, ganz anders riechen und irgendwie Wärme ausstrahlten.
Kommen wir von den Tiefen in die Höhen, das folgende Haus hat mir in seinem Anbau einfach toll gefallen. Vielleicht gab es in früherer Zeit ein kleines Türmchen am Haus, bei der dicken Mauer davor, könnte das schon so gewesen sein und der Besitzer wollte die Erinnerung daran erhalten. Was auch immer, super gemacht, für mich ein echter Hingucker!


Oft wird im Fernsehen von türkischen Hochzeiten, mit seinen vielen Gästen berichtet. Ich hatte mich schon gefragt, wo man denn feiert, wenn man so viele Gäste unterbringen muss. Nun kenne ich eine Möglichkeit. Von Weitem ahnte ich nicht, was das für eine Halle ist und ich konnte mir die vielen Parkplätze nicht erklären. Erst als ich näherkam und das Bild sah, wurde mir die Sache klar.
Apropos Gewerbe, in DDR-Tagen gingen wir öfter ins Russenmagazien. In Mendig war ich im Intermarkt und fühlte mich in die Vergangenheit versetzt. Ich konnte nicht anders, ich musste einkaufen. Das russische Konfekt ließ ich liegen, aber die getrockneten und gesalzenen Fische, die ich in Kiew kennengelernt hatte, nahm ich mit. Allerdings gab es sie hier als Mini-Filets. Ich kann
sie nur empfehlen und werde bestimmt wieder hinfahren!




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